Enzkreis sucht dringend weiteren Wohnraum

Flüchtlinge aus Göbrichen verhandelten mit dem Landratsamt

 Logo Enzkreis„Zelt – nein!“ steht auf den Pappschildern, die Flüchtlinge beschrieben hatten, um im Landratsamt für eine bessere Unterkunft zu demonstrieren. Die Menschen sind zurzeit im Neulinger Ortsteil Göbrichen untergebracht – in einer von zwei Notunterkünften in Zelten, die es derzeit im Enzkreis gibt.

Sozialdezernentin Katja Kreeb, Andreas Kraus, Leiter des Amts für Migration und Flüchtlinge und seine Stellvertreterin Cordula Allgaier-Burghardt setzten sich mit den Sprechern der etwa 30 Flüchtlinge aus Syrien und aus Afghanistan zusammen, um über ihre Beschwerden und Wünsche zu sprechen. „Ich habe vollstes Verständnis, dass eine Unterbringung im Zelt nicht ihren Erwartungen entspricht“, sagte Kreeb den Männern und Frauen, die auch ihre Kinder mitgebracht hatten.

Auch Allgaier-Burghardt, die erst vor kurzem ihre Stelle im Landratsamt angetreten hat, kann die Flüchtlinge verstehen. Das Problem der Unterbringung in Zelten kennt sie aus ihrer vorigen Tätigkeit: Bis Dezember war sie bei der Stadt Maulbronn als Leiterin des Ordnungs- und Sozialwesens für die Betreuung der Asylbewerber zuständig. „In Maulbronn stehen immerhin die Küchen- und Sanitär-Container direkt bei den Zelten“, sagt sie. In Göbrichen müssten die Menschen dagegen zur Büchighalle laufen – was bei Temperaturen um den Gefrierpunkt und nachts natürlich alles andere als bequem sei.

Der Enzkreis sucht auch deshalb verstärkt nach Unterkünften in den Städten und Gemeinden im Kreis. Der Erste Landesbeamte Wolfgang Herz appelliert an Haus- und Wohnungseigentümer: „Wenn Sie über eine leerstehende Immobilie verfügen, bieten Sie sie uns an, damit wir die Menschen vernünftig unterbringen können.“ Beim Landratsamt hat man dafür ein eigenes Akquise-Team gebildet, das Meldungen entgegen nimmt, die Objekte innerhalb kurzer Zeit sichtet und mit den Eigentümern eventuell notwendige Reparaturen bespricht.

Zur Unterbringung im Göbricher Zelt gebe es derzeit keine Alternative, bedauert Herz: „Nach wie vor werden uns pro Woche etwa 100 Menschen neu zugewiesen.“ Die Wohncontainer-Anlagen, die in den kommenden Wochen fertiggestellt werden, reichten schon dafür kaum aus. Den Abgesandten der Flüchtlinge in Göbrichen versprach Katja Kreeb dennoch, alles zu tun, damit sich ihre Wohnsituation verbessert.

Das gleiche gilt für die beiden anderen großen Anliegen der „Neu-Göbricher“: Deutschkurse und Arbeit. Das Problem: Für die Sprach- und Integrationskurse übersteigt der Bedarf momentan bei weitem das Angebot, zudem fehlt es an qualifizierten Lehrkräften. Bei den Jobs hofft man im Landratsamt darauf, dass die Initiativen der Agentur für Arbeit Früchte tragen: Von dort werden seit kurzem die Daten der Flüchtlinge zu ihrer Qualifikation und den beruflichen Kenntnissen direkt vor Ort in den Unterkünften erhoben. Klar ist für Kreeb aber auch: „Ohne die Sprache wird es kaum jemandem gelingen, einen Job zu finden.“

Wer eine Immobilie zur Unterbringung von Asylbewerbern an das Landratsamt vermieten möchte, findet weitere Informationen und ein Kontaktformular unter www.enzkreis.de/Unterkunft. Das Akquise-Team ist erreichbar unter Tel. 07231 308-1809 oder per E-Mail an Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!. Informationen zu Sprachkursen, Arbeit und Ausbildung oder zur Gesundheit finden sich auf www.enzkreis.de/Flüchtlinge.

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