Müller, Mühlen und Steinbrüche

 Weiler800JahreMueller Skulptur004……….so könnte man einen Teil der Geschichte von Weiler überschreiben, denn die Wasserkraft der Pfinz war auch ein Segen für die Bewohner des heute 1300 Einwohner zählenden Ortsteils Weiler. In diesem Sinne gab es früher hier gleich mehrere Mühlen: Im Ort die Dorfmühle, dazu die etwas flussaufwärts gelegene Neumühle, die in jüngerer Geschichte als Wohnhaus und Bekleidungsgeschäft genutzt wurde und die weit außerhalb gelegene Ölmühle; sie war zunächst Sägemühle, dann Ölmühle und ist heute nur noch Wohnhaus. Ihren eigentlichen Zweck erfüllt heute nur noch die Dorfmühle im alten Ortskern die schon in der zehnten Generation betrieben wird.  

Allerdings wird die Wasserkraft schon lange nicht mehr benötigt. Für  den modernen Mühlenbetrieb sind heutzutage der Strom und betriebswirtschaftlichen Kenntnisse des Müllers die „treibende Kraft“. Auf dieser Basis wird in der Mühle Beck heute die über 500 Jahre alte Tradition erhalten und Getreide gemahlen.

 Weiler800JahreMuehleBeck01Dabei hat die Mühle im Laufe ihrer Geschichte schon viele, nicht nur bauliche Veränderungen, erfahren. Stets war die Müllerfamilie, die heute Becker heißt, darum bemüht den Betrieb trotz des „Mühlensterbens“ 1959 und in der zweiten Welle 1972, aufrecht zu erhalten. Nach  mancher Widrigkeit scheint sich diese Ausdauer gelohnt zu haben, denn die Nachfrage nach Mehl aus der Region und aus biologischem Anbau ist steigend. Ein moderner „Mühlenladen“, also quasi die „Direktvermarktung“ und ein Heim- und Lieferservice mit einem breiten Sortiment und einem großen Kundenstamm im Umkreis bis zu 20 Kilometer sind heute ebenso ein Garant für den Fortbestand des Mühlenbetriebs in Weiler, wie auch eine ständige „Marktanpassung“ und Investitionen. In diesem Sinne hat die Weilermer Müllerfamilie, die im Jahr 2008 mit Sohn Erik Becker auch den Bundessieger im Müllerhandwerk, also den besten Nachwuchsmüller von Deutschland stellte, vor etwa zehn Jahren in den zeitgemäßen Ausbau eines Neunkammer-Getreidesilos investiert. Dabei hatte seinerzeit auch das Denkmalamt mitgespielt und seine Zustimmung zum fast vollständigen Abbruch des alten, baufälligen Mühlengebäudes gegeben. Weiler800JahreMuehleBeck009Nur die zum Ort hin gewandte Fachwerkgiebelfassade musste erhalten bleiben. Auch bei der Dacheindeckung, des wieder aufzubauenden Gebäude hatte man einen Kompromiss gefunden. Vom Neunkammer-Silo, das insgesamt 400 Tonnen Getreide fasst, ist dabei ebenso wenig zu sehen, wie schon vom seitherigen Flachsilo, das etwa über das gleiche Volumen verfügte. „Mit dem Mehrkammersilo kann man den differenzierten Wünschen der Kunden nach unterschiedlichen Mehlsorten, vom Dinkel- bis zu Biomehl besser gerecht werden“, erklärt Ursula Becker; und Ehemann Martin ergänzt: „Die große Anerkennung der Kunden bereitet Freude und ist Ansporn für unsere Arbeit“. Seniorchef Fritz Beck, der über 50 Jahre lang mit großer Leidenschaft zusammen mit Ehefrau Gretel für den Mühlenbetrieb in Weiler verantwortlich war, hat sich mit seinen 90 Jahren aufs Altenteil zurückgezogen. Stolz ist er aber darauf, dass alles so gut läuft. Er freut sich darüber, dass mit Enkel Erik der aktuell in St. Gallen Lehrer für Müllereitechnik an der schweizerischen Müllereifachschule ist, das Traditionshandwerk nicht ausstirbt und auch die Möglichkeit besteht, dass die Mühle in Weiler dann in der elften Generation betrieben werden kann.

Weiler800JahreSteinbruch004Zu Ende gegangen sind dagegen schon vor einiger Zeit der Sandsteinabbau und der Steinbruchbetrieb in Weiler. Nur noch die außerhalb gelegenen Wohnhäuser und die teilweise schon überwucherten, nicht allzu hohen Abbruchwände zeugen heute noch von alten Tagen. Auch durch die Sportplatzerweiterung in die geologische Verwerfung des Buntsandsteins hinein wurde das mäßige, heute schon stark verwitterte Gesteinsvorkommen noch sichtbar. In Stein gemeißelt ist dagegen die Geschichte des Müllerhandwerks. So steht heute vor dem historischen Rathaus von Weiler die vom Altensteiger Bildhauer Claus Henning geschaffene Sandsteinskulptur „Der Müller“. Mit seiner steinernen Beharrlichkeit zollt er der Geschichte ihren Respekt.