Hinterwälder Rinder als Landschaftspfleger

Naturschutz Tag im Dietlinger Essigberg informierte die Besucher ausführlich

Naturschutztag 2015 04Im wahrsten Sinne des Wortes lebendige Landschaftspflege konnten die Besucher am Sonntag beim 5. Kelterner Naturschutztages in Dietlingen erfahren. Dabei ging es auch darum aufzuzeigen, wie Landwirtschaft dem Mensch und der Natur gleichermaßen nützen kann. „Keine Landschaftspflege ohne Tiermagen“ attestierte Hobby-Landwirt Klaus Nittel und ergänzte „Wir wollen zeigen, was durch einen Kleinbauern erhalten und regeneriert werden kann“.

Die Ellmendinger Familie Nittel züchtet schon seit Jahren die vom Aussterben bedrohte Rasse der Hinterwälder Rinder. Seit 1998 halten diese Rinder im Auftrag des Regierungspräsidiums die Magerrasenflächen im Dietlinger Naturschutzgebiet Essigberg offen. Dadurch kann sich eine Vielfalt von Pflanzen entfalten, die Licht zum Wachsen brauchen. So sind hier neben Wacholdersträuchern auch zahlreiche heimische Orchideenarten, unter anderem das Knabenkraut und die Bienenragwurz zu finden. Viele weitere seltene Pflanzen, darunter auch verschiedene Enzianarten und Wildrosen gehören zur großen Artenvielfalt an diesem Standort. Diese Pflanzengemeinschaft lockt viele Schmetterlinge und Insekten an. „Über 200 Schmetterlingsarten werden im Naturschutzgebiet Essigberg gezählt“, sagte Annemarie Radkowitsch, Biologin an der pädagogischen Hochschule Karlsruhe. Zusammen mit Hobbylandwirt und Naturliebhaber Klaus Nittel machte sie am Sonntag lehrreiche Führungen durch das Naturschutzgebiet und die Weidelandschaft.

An den Informationsständen des Fördervereins Hinterwälder und der Gesellschaft zur Erhaltung gefährdeter Haustierrassen wurde am Sonntag auch verdeutlicht, dass es große Unterschiede zwischen extensiver und intensiver Landwirtschaft gibt. Letztendlich würde durch Mahd oder Beweidung aber hie wie da Landschaftschutz betrieben. „Ohne Nutztierhaltung würde sich das heimische Landschaftsbild nachhaltig negativ verändern“ stellte Hobbylandwirt Klaus Nittel fest und bot unter dem Motto „So lecker kann Naturschutz schmecken“ auch Gaumenfreuden mit Gulasch und Würsten vom Hinterwälder Rind an.

Dabei konnte er auch auf die Unterstützung des Vereins für Deutsche Schäferhunde Ortsgruppe Keltern-Dietlingen, der sein Vereinsheim und –gelände am Rand des Naturschutzgebietes im Altenloh oberhalb des Weinortes hat, zählen. Die Vereinsmitglieder waren am Sonntag für die Bewirtung der Besucher zuständig. Diese genossen die angenehme Atmosphäre beim Naturschutztag und fühlten sich sichtlich wohl.

Ergänzt wurde das Programm auch mit Informationsständen von Imker Peter Hug aus Nöttingen und Lucca Müller ebenfalls aus Nöttingen mit seinen Dorperschafen aus Südafrika, und Benjamin Maier aus Gräfenhausen mit seiner Coburger Fuchsschafherde, mit den Vertretern der Gesellschaft für bedrohte Haustierrassen, des Fördervereins der Hinterwälder-Rinderzucht, der Alphornbläserfreunde Bauschlott und dem Arbeitskreis Heimatpflege und Kunst, der demonstrierte wie aus Schafwolle, Strickwolle wird.