Landratsamt Enzkreis

 „Der Wald im Enzkreis“, Teil 6

Wald und Wild – Symbiose unter dem Einfluss des Menschen

. Der Wald prägt die Landschaft im Enzkreis. Von den ausgedehnten Eichenwäldern im Stromberg bis hinauf in den Nordschwarzwald mit seinen Tannenbeständen bedeckt er etwa 40 Prozent der Kreisfläche. Er dient der Erholung der Bürger, ist Lebensraum unzähliger Tier- und Pflanzenarten und liefert einen einzigartigen nachwachsenden Rohstoff. Der Förster sorgt für einen Ausgleich der verschiedenen Interessen; in einer Serie im Mitteilungsblatt erfahren Sie, was er im Jahreslauf im Wald tut.

Wald und Wildtiere gehören zusammen

Der Wald ist in unserer intensiv genutzten Landschaft der wichtigste Lebensraum für wildlebende Tiere. Er ist das Ökosystem mit der größten Naturnähe, also am wenigsten vom Menschen überprägt. Wald und Wildtiere sind daher zwei Seiten ein und derselben Medaille: Sie gehören zusammen und beeinflussen sich gegenseitig. Wildtiere haben daher auch Einfluss auf die Ziele des Menschen – dabei ist meist das sogenannte Schalenwild gemeint.

Schalenwild ist eine Bezeichnung aus der Jägersprache für die bei uns wildlebenden Paarhufer. Dazu zählen neben den Hirschen wie Reh- und Rotwild auch Wildschweine, Mufflons, Gämsen und Steinböcke. Bis auf die allesfressenden Wildschweine sind all diese Arten wiederkäuende Pflanzenfresser. Rehe etwa ernähren sich von jungen Trieben, Knospen und eiweißreichen Pflanzenteilen. Rothirsche bevorzugen faserreichere Kost aus Gräsern, schälen aber mitunter auch die Rinde von Bäumen. Bei den geweihtragenden Hirscharten kommt hinzu, dass sie jedes Jahr den Bast ihrer Geweihe an jungen Bäumen abfegen, wodurch der Baum häufig so stark geschädigt wird, dass er abstirbt.

All diese Einflüsse auf die Waldvegetation sind in der Wildnis normal. Für uns Menschen werden sie dann zu einem Schaden, wenn das Gleichgewicht zwischen Wildbestand und Wald nicht mehr stimmt. Die Folgen zu hoher Wildbestände sind ausbleibende Waldverjüngung, Entmischung der Baumarten – denn sie werden unterschiedlich gern gefressen – oder Fäulnis an geschälten Stämmen bis hin zum Zusammenbrechen ganzer Bestände. Diese Flächen müssen aufwändig wieder aufgeforstet und die Waldverjüngung mit Zäunen geschützt werden.

Hohe Wildbestände haben gravierende Folgen

Der Mensch hat einen Großteil der ursprünglichen Lebensräume unserer Wildarten beseitigt und im Wesentlichen durch Landwirtschaft ersetzt. Dadurch sind die Tiere gezwungen, auch landwirtschaftlich genutzte Flächen als Lebensraum zu nutzen. Die meisten Schalenwildarten kommen damit gut zurecht und profitieren sogar erheblich von dem deutlich erhöhten Nahrungsangebot. Aufgrund dieser günstigen Lebensbedingungen können sich ihre Bestände sehr rasch vermehren.

Hohe Wildbestände haben jedoch gravierende Folgen auch für die Tiere selbst: Sie lösen sozialen Stress aus, begünstigen Krankheiten und Seuchen und führen im Extremfall dazu, dass die Tiere buchstäblich ihre Nahrungsgrundlage wegfressen. Zudem steigt die Zahl der Unfälle im Straßenverkehr – dadurch werden nicht nur Menschen gefährdet, sondern die Tiere verenden meist qualvoll. Aus all diesen Gründen greift der Mensch über die Jagd regulierend ein. Zweck und Ziele der Jagd sind in den Wald- und Jagdgesetzen des Bundes und der Länder festgeschrieben.

Dem Wald und den Förstern kommt eine besondere Verantwortung zu. Ein naturnah bewirtschafteter, strukturierter Wald aus vielen verschiedenen Baumarten bietet dem Wild die besten Lebensbedingungen. Die Förster überwachen den Wildeinfluss in den Wäldern, beraten Waldbesitzer und Jäger zu einer optimalen Bejagung und unterstützen bei der Durchführung. Nach der Ernte im Herbst, wenn sich die Tiere von den Feldern in den Wald zurückziehen, wo sie dann mehr Deckung und Nahrung finden, können sie vor allem mit Drückjagden über einen kurzen Zeitraum störungsarm bejagt werden. Der Staatswald, in dem die Jagd überwiegend in Eigenregie organisiert wird, erfüllt dabei eine Vorbildfunktion.

Übrigens: Das Fehlen von großen Raubtieren wie Wolf, Luchs und Bär hat mit der starken Vermehrung unserer Schalenwildbestände nichts zu tun. Zwar schöpfen sie einen gewissen Teil ihrer Beutetier-Population ab, können sie jedoch nicht regulieren. Vielmehr sind sie am Ende der Nahrungskette abhängig von stabilen Beständen ihrer Beute.

 

„Der Wald im Enzkreis“, Teil 5

Die Fichte – Baum des Jahres 2017

FichteDer Wald prägt die Landschaft im Enzkreis. Von den ausgedehnten Eichenwäldern im Stromberg bis hinauf in den Nordschwarzwald mit seinen Tannenbeständen bedeckt er etwa 40 Prozent der Kreisfläche. Er dient der Erholung der Bürger, ist Lebensraum unzähliger Tier- und Pflanzenarten und liefert einen einzigartigen nachwachsenden Rohstoff. Der Förster sorgt für einen Ausgleich der verschiedenen Interessen; in einer Serie im Mitteilungsblatt erfahren Sie, was er im Jahreslauf im Wald tut.

Der „Brotbaum“ der Forst- und Holzwirtschaft

Die Fichte ist Deutschlands häufigste Baumart: Ein Viertel der Waldfläche gehört ihr, in Baden-Württemberg sogar 34 Prozent. Von Natur aus wäre sie bei uns in wesentlich geringeren Anteilen vertreten: Ihr natürliches Verbreitungsgebiet sind die höheren Lagen der Mittelgebirge und der Alpen, denn sie braucht eine ganzjährig gute Wasserversorgung und gut durchlüftete Böden. In Reinbeständen und auf ungünstigen Standorten drohen der Fichte deshalb zahlreiche Gefahren durch Borkenkäfer, Rotfäule und Sturmwurf.

„Der Wald im Enzkreis“

Teil 3 : Waldnutzung heute – Schutz durch sorgsames Nutzen und Gestalten

Der Wald prägt die Landschaft im Enzkreis. Von den ausgedehnten Eichenwäldern im Stromberg bis hinauf in den Nordschwarzwald mit seinen Tannenbeständen bedeckt er etwa 40 Prozent der Kreisfläche. Er dient der Erholung der Bürger, ist Lebensraum unzähliger Tier- und Pflanzenarten und liefert einen einzigartigen nachwachsenden Rohstoff.

Wie Nachhaltigkeit im Wald funktioniert

hoehlenbaumNachhaltigkeit ist das zentrale Prinzip moderner Forstwirtschaft. Entstanden ist sie als Folge der katastrophalen Plünderung der Wälder im 18. Jahrhundert. Heute geht sie weit über die Beschränkung der genutzten Holzmengen hinaus. Sie orientiert sich an der Vielfalt aller Funktionen, die unsere Wälder erfüllen müssen: saubere Luft und sauberes Wasser, gesunde Böden, Schutz vor Erosion, Hochwasser oder Lawinen, Raum für Erholung, die Bereitstellung hochwertiger Hölzer und das Erzielen von Einkommen. Nachhaltigkeit bedeutet die dauerhafte Erhaltung aller ökonomischen, ökologischen und sozialen Funktionen, die der Wald für uns Menschen hat.

„Der Wald im Enzkreis"

Teil 4: Die Waldwege

 WaldwegeDer Wald prägt die Landschaft im Enzkreis. Von den ausgedehnten Eichenwäldern im Stromberg bis hinauf in den Nordschwarzwald mit seinen Tannenbeständen bedeckt er etwa 40 Prozent der Kreisfläche. Er dient der Erholung der Bürger, ist Lebensraum unzähliger Tier- und Pflanzenarten und liefert einen einzigartigen nachwachsenden Rohstoff. Der Förster sorgt für einen Ausgleich der verschiedenen Interessen; in einer Serie im Mitteilungsblatt erfahren Sie, was er im Jahreslauf im Wald tut.

Waldwege sind teuer

Ohne Wege wäre der Wald ein undurchdringliches Dickicht. Die Waldwege öffnen ihn für die Nutzung – sei es für diejenigen, die im Wald arbeiten, oder für die Menschen, die sich dort gerne in ihrer Freizeit aufhalten: Zum Wandern, zum Joggen oder zum Radfahren.

Finanziert werden die Wege von den Waldbesitzern; im Enzkreis sind das vor allem die Gemeinden und das Land Baden-Württemberg. Die Wege ermöglichen für sie vor allem die Forstwirtschaft in ihren Wäldern. Der Bau und die Unterhaltung sind sehr aufwändig und teuer, denn Waldwege müssen schwersten Beanspruchungen standhalten, und das auch bei schlechten Witterungsbedingungen: Bis zu 40 Tonnen  wiegen die Fahrzeuge, die die Wege „ertragen“ müssen. Während des Holzeinschlags kann es dennoch zu Beschädigungen und starken Verschmutzungen kommen – vor allem bei nassem Wetter. Dies kann meist nicht während der Arbeiten beseitigt werden; der Förster kümmert sich darum, wenn die Holzernte abgeschlossen ist.

Geschotterte Waldwege werden regelmäßig unterhalten – entweder von Hand beim Ausbessern von Schlaglöchern oder mit Maschinen, den sogenannten Gradern, die das Wegprofil wieder herstellen. Zu einer ordentlichen Wegeunterhaltung gehört das Mulchen der Bankette, also der Ränder entlang der geschotterten Flächen. Dies ist erforderlich, damit das Wasser aus den Fahrspuren abfließen kann. Im Hinblick auf die Erfordernisse des Naturschutzes beschränkt der Förster das Mulchen aber auf das Notwendigste.

Waldwege stehen jedem offen – (fast) immer

Auch wenn sie eigentlich den Waldbesitzern gehören: Die Waldwege stehen im Rahmen des freien Betretungsrechts jedem unentgeltlich zur Verfügung, der in den Wald gehen oder laufen, reiten oder auf dem Rad fahren möchte. Die gemeinsame Nutzung der Wege durch die verschiedenen Gruppen setzt aber ein gewisses Maß an Toleranz und Verständnis für die Bedürfnisse der jeweils anderen voraus. Nicht erlaubt ist übrigens das unbefugte Befahren der Waldwege mit Auto oder Gespannen: Es gilt als Ordnungswidrigkeit und wird vom Förster mit einem Strafzettel geahndet.

Das Betreten geschieht auf eigene Gefahr: Im Wald muss damit gerechnet werden, dass vor allem bei stärkerem Winde Äste oder Stammteile abbrechen und auf die Wege fallen können. Zur Durchführung von Holzfäll-Arbeiten, bei Reparaturen an den Wegen oder bei herbstlichen Drückjagden werden die Waldwege in den Arbeitsbereichen gesperrt. Die Absperrungen müssen im Interesse der eigenen Sicherheit unbedingt respektiert und befolgt werden! Bei fast 23.000 Hektar Waldfläche und einem gut ausgebauten Waldwegenetz im Enzkreis sollte es kein Problem sein, in andere Waldbereiche auszuweichen.

„Der Wald im Enzkreis“

Teil 2: Waldgeschichte und historische Holznutzung

Der Wald prägt die Landschaft im Enzkreis. Von den ausgedehnten Eichenwäldern im Stromberg bis hinauf in den Nordschwarzwald mit seinen Tannenbeständen bedeckt er etwa 40 Prozent der Kreisfläche. Er dient der Erholung der Bürger, ist Lebensraum unzähliger Tier- und Pflanzenarten und liefert einen einzigartigen nachwachsenden Rohstoff.

Brennstoff, Baumaterial, Exportartikel

Enzkreis Der Wald Teil2Der Wald wurde von jeher vom Menschen intensiv genutzt. Bereits in der Steinzeit legte er ausgedehnte Waldgebiete durch Brandrodung kahl und nutzte die dadurch baumfreien Flächen für Feldbau und Weidewirtschaft. Im Hochmittelalter war der Wald durch den hohen Holzverbrauch bereits stark zurückgegangen. Der verbliebene Wald war zudem viel lichter als heute. Ein Vertrag aus dem Jahr 1342 zeigt, dass bereits damals weit in den Schwarzwald hineingegriffen werden musste, um den Holzbedarf zu decken.

Holz wurde zudem ein wichtiger Exportartikel: Zu großen Flößen zusammengebunden, erfolgte der Transport über die Schwarzwaldflüsse Murg, Kinzig, Nagold und Enz in den Neckar und den Rhein. Aus dieser Zeit stammt die Bezeichnung „Holländertannen“, denn das Holz wurde auf diese Weise bis nach Holland verkauft.

Eine weitere massive Beanspruchung für den Wald war die Nutzung als Weide für Rinder, Ziegen, Schafe und Schweine. Dadurch war auf vielen Flächen eine Waldverjüngung nicht mehr möglich, weil die Tiere die jungen Triebe abfraßen. Auch nach dem Übergang zur Stallhaltung wurde weiterhin die Laubstreu aus dem Wald für die Ställe genutzt. Das führte zu einem katastrophalen Nährstoffentzug in den Böden, der mancherorts heute noch spürbar ist.

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